Samstag, 6. Dezember 2014

Ein (un)bekannter Ökonom!?

Günter Reimann im Porträt

Zum ersten Mal hörte ich von Günter Reimann ungefähr im Jahr 2000 in der Sendung Kulturzeit auf 3sat. In der Anmoderation stellte man ihn als marxistischen Millionär mit einem goldenen Jaguar vor der Villa in Manhasset, Long Island, vor. 
Damals hatte er schon ein stattliches Alter von 95 Jahren erreicht und wirkte im Filmbeitrag gesund und erfrischend. Ich fragte mich, warum höre ich jetzt erst von ihm? An der Wallstreet in New York waren er und seine Agentur eine Institution.

 

Frühe Jahre in der KPD

Noch als Hans Steinicke, Günter Reimann ist sein Pseudonym, erlebte er als 14-jähriger die Novemberrevolution von 1918. Angesteckt vom Revolutionsfieber fand er schnell den Weg vom kommunistischen Jugendverband zur KPD.  Für die Parteizeitung die "Rote Fahne" wurde er schnell journalistisch aktiv, er schrieb seinen ersten Artikel mit der Überschrift "Pissbuden im Klassenstaat", wo er die Verhältnisse der öffentlichen Toiletten von armen und reichen Vierteln der Stadt Berlin verglich. In der KPD lernte er auch den späteren Bundestagsfraktionsvorsitzenden der SPD Herbert Wehner kennen. Dieser glaubte damals noch an Stalin wie an einen Gott, resümiert Reimann später. In der Parteizeitung die "Rote Fahne" hat er als Wirtschaftsredakteur Anfang der zwanziger Jahre noch viele Freiheiten; "Ich hatte damals alle Freiheiten, musste nicht der Parteilinie folgen, sondern konnte berichten, was mir wichtig schien". In dieser Zeit verbringt er auch durchzechte Nächte mit "Dadaisten" im "Café Größenwahn". Doch Ende der zwanziger Jahre ist Schluss mit den Freiheiten. Stalin nimmt die KPD an die kurze Leine. Als man ihm dann einen linientreuen Chefredakteur vor die Nase setzt kommen erste Zweifel. Anfang der dreißiger Jahre, inzwischen studierter Ökonom, unternimmt er eine Reise in die Sowjetunion und ist ernüchtert. Diese Form des Sozialismus entspricht nicht seinen Vorstellungen, er fand eine Art Staatskapitalismus vor mit "doppelter Buchführung". In Deutschland zurück, versucht er Herbert Wehner davon zu überzeugen eine Widerstandsgruppe innerhalb der KPD aufzubauen. Sein Versuch misslingt. Im Frühjahr 1933 kommt Adolf Hitler an die Macht, Reimann hält noch bis Herbst aus und versucht Widerstand gegen den Faschismus zu organisieren. Doch der Widerstand ist zu gering, politisch heimatlos geworden floh er über Prag, Wien, Paris, Amsterdam und London schließlich nach New York. 

Nach dem Krieg in New York

1936, inzwischen aus der KPD ausgetreten, lernt er in New York "die Hochburg des Kapitalismus" kennen. Er arbeitet als freier Ökonom und Journalist bis er 1940 eine Stelle am International Stastistical Bureau annimmt. 1947 gründet er eine Agentur und bringt das Hochglanzmagazin  "International Reports on Finance and Currencies"  heraus. Informanten und Zuträger aus ungefähr 50 Ländern liefern der Zeitschrift wichtige Informationen, dass ihm die Hochfinanz für diese Dienste 2000 Dollar monatlich zahlt. Seine Kunden sind Großunternehmen, Geldinstitute, Spekulanten, rund 70 Zentralbanken und Regierungen. Die Zeitschrift kommt auf eine Anzahl von ungefähr 4000 Abonnenten. Aus seiner marxistischen Überzeugung macht er keinen Hehl, seinen intelligenten Kunden ist das egal, denn die Informationen stimmten. Das ist dialektische Logik, paradoxerweise arbeitet der Marxist Reimann für die kapitalistische Finanzwirtschaft. Die "Financial Times" macht ihm 1983 ein Angebot für seinen Informationsdienst und ohne zu verhandeln wird gezahlt. Seitdem lebte Reimann als millionenschwerer Rentner im aktiven Ruhestand. Über den Fall der Mauer 1989 freut er sich und sieht trotzdem nicht das Ende sozialistischer Ideale. Viele Marxisten sind und waren für Reimann "Doktrinäre, für die der Kommunismus wohl ein Glaubensbekenntnis war". In seinen letzten Lebensjahren liest er noch das "Kapital" von Karl Marx. Im hohen Alter resümiert er ; "Ich glaube aber mit Kant, Hegel und Marx, dass die Grundtendenzen für die menschliche Gesellschaft ein Vorwärtsschreiten zu mehr Menschsein und Menschlichkeit sind. Auf die Person bezogen: Ich habe winzig wenig zum Fortschreiten der Menschheit beigetragen, und der Beitrag wird vermutlich nicht in Erscheinung treten.
Wenn ich dennoch mit Neugierde die Zukunft erleben will, dann, weil ich an den Fortschritt à la longue glaube, außerdem, weil ich von nie befriedigter Neugierde erfüllt bin. Das gilt in allen Lebenslagen.« Über sein eigenes Leben und Überleben in Zeiten von Faschismus und Stalinismus wundert er sich noch im hohen Alter, dass er durch viele Zufälle überlebt hat und sagte: "Ich meine, ein Zufall ist ein Zufall. Fünf Zufälle sind eine Tendenz, zehn ein Gesetz. Bei mir hat es viele Zufälle gegeben." Ob er an eine Gesetzmäßigkeit in der Geschichte der Menschheit hin zum Guten geglaubt hat, weiß ich nicht. Drei Monate nach seinem 100. Geburtstag starb er im Februar 2005.



Quellen und Links zu Artikeln von Günter Reimann

Zeitschrift: UTOPIE kreativ, H. 174 (April 2005), S. 369-370
Rosa-Luxemburg-Stiftung zu Leben und Werk mit Foto
Artikel der Berliner Zeitung vom 09.05.1997
Spiegel Beitrag vom 10.11.1997
Artikel aus der Monatszeitschrift Brand Eins (Ausgabe 04/2000)
Artikel des Guardian vom 01.03.2005
Artikel der New York Times vom 04.04.2005 



Dienstag, 2. Dezember 2014

Ökonomie und Ökologie

In Kürze zur Einführung


Dieser Blog will sich mit Zukunftsfragen, die das menschliche Zusammenleben bestimmen, beschäftigen. Es soll darum gehen wie wir ein sozial gerechtes Leben im Einklang mit der Natur ermöglichen können. Schon Friedrich Engels schrieb im Jahre 1876:
 „[...] Wir werden bei jedem Schritt daran erinnert, daß wir keineswegs die Natur beherrschen, wie ein Eroberer ein fremdes Volk beherrscht, wie jemand, der außer der Natur steht - sondern daß wir mit Fleisch und Blut und Hirn ihr angehören und mitten in ihr stehn, und daß unsre ganze Herrschaft über sie darin besteht, im Vorzug vor allen andern Geschöpfen ihre Gesetze erkennen und richtig anwenden zu können.“
[Engels: Dialektik der Natur, S. 274. Digitale Bibliothek Band 11: Marx/Engels, S. 8597 (vgl. MEW Bd. 20, S. 453)]
Auch Karl Marx entgegnete in der Kritik des Gothaer Programms der Sozialdemokraten im Jahr 1875, die die Arbeit als Quelle des Reichtums ausmachten;
 „Die Natur ist ebensosehr die Quelle der Gebrauchswerte (und aus solchen besteht doch wohl der sachliche Reichtum!) als die Arbeit, die selbst nur die Äußerung einer Naturkraft ist, der menschlichen Arbeitskraft. Jene Phrase findet sich in allen Kinderfibeln und ist insofern richtig, als unterstellt wird, daß die Arbeit mit den dazugehörigen Gegenständen und Mitteln vorgeht.“
[Marx: Kritik des Gothaer Programms, S. 7. Digitale Bibliothek Band 11: Marx/Engels, S. 13168 (vgl. MEW Bd. 19, S. 15)]
Schon diese zwei Theoretiker der Arbeiterbewegung erkannten, das neben der Arbeit auch die Natur ein wichtiger Bestandteil einer jeden Volkswirtschaft ist. Die Frage wie unsere Gesellschaft und die Wirtschaft organisiert ist, hängt mit der sozialen und ökologische Frage eng zusammen. Dieser Blog sucht nach Antworten auf diese Fragen ohne eine absolute Wahrheit zu postulieren. Im Laufe der Zeit versuche ich Antworten auf diese Fragen von Ökonomie und Ökologie zu finden.


Sowohl die Ökonomie wie die Ökologie betrifft alle Lebensbereiche des menschlichen Daseins. Als lohnabhängiger Beschäftigter, wie z.B. als Leiharbeiter, Angestellter, Wissenschaftler oder Ingenieur. Genauso wie als Konsument, Verbraucher oder auch als Arbeitsloser sind wir ökonomischen Strukturen einer Gesellschaft ausgesetzt oder sozusagen in ihr gefangen. Über die ökologischen Aspekte braucht man sich nicht groß zu unterhalten, jeder Mensch ist auch gleichzeitig ein Teil der Natur.

Warum heißt dieser Blog  „Manus-Wasser-Energie“?

Manus kommt aus dem Lateinischen und heißt Hand. Die Hand ist eines der Gliedmaßen des Menschen die schon unsere Vorfahren und auch die Affen dazu nutzten und nutzen, Werkzeuge herzustellen und diese zu gebrauchen. Für mich steht die Hand auch für wirtschaftliches Handeln.

Quelle: Mariano  by Wikimedia Commons

Wasser ist Grundlage des Lebens und aller Wahrscheinlichkeit ist auch das Leben selbst im Wasser entstanden. Der Mensch besteht zu 70 % aus Wasser und wenn wir nicht trinken verdursten wir.

Das Leben auf der Erde ist ohne Energie nicht wegzudenken. Unser Planet benötigt die Energie der Sonne, die mit ihrer Wärme und ihren Strahlen zum Beispiel den Wasserkreislauf in Gang hält. Wasser verdunstet auf den Meeren und kommt in den Wolken als Niederschlag in Form von Süßwasser auf die Erde zurück. Auch die Photosynthese der Pflanzen ist ohne Lichtenergie nicht möglich.
Ich habe in Kürze beschrieben wie diese drei Themen zusammenhängen und was diese Begriffe für mich bedeuten. Die nächste Frage die sich stellt, was ist eigentlich Ökonomie und Ökologie?
Öko heißt soviel wie Haus, -nomie bedeutet Gesetz und -logie bedeutet Lehre. Es geht also im Grunde um Gesetzmäßigkeiten in der Haushaltsführung (Wirtschaft) und in der Umwelt bzw. Natur. Die Natur gibt uns den Rohstoff den die Menschen weiterverarbeiten und im Großen und Ganzen unsere Bedürfnisse erfüllen. Die Wirtschaftsform in der die Menschen leben bildet die Grundlage um die Bedürfnisse befriedigen. Natürlich ist die „Haushaltsführung“ einer Familie nicht vergleichbar mit der Wirtschaft der Gesellschaft, des Staates oder einer Firma. Es gibt Unterschiede wenn eine Familie spart oder Schulden macht, als der Staat oder eine Firma. Im Laufe meines Blogs werde ich aus meiner Sicht die Unterschiede noch darstellen.
Meine kleine Einführung beende ich erst mal und das war es dann auch für den Anfang.

Samstag, 29. November 2014

Das größte Problem unserer Tage

Ein zentrales Problem ist der Klassenkrieg von Oben

Auf die Feststellung eines Journalisten, dass es heutzutage die Gefahr eines Klassenkampfes gibt, entgegnet der dritt-reichste Mensch der Welt, Warren Buffett: "Es herrscht Klassenkrieg, richtig, aber es ist meine Klasse, die Klasse der Reichen, die Krieg führt, und wir gewinnen". Warren Buffett bringt es haargenau auf den Punkt. 

Warren Buffett und Barack Obama im "Weißen Haus" (Quelle: Pete Souza via Wikimedia Commons)
Die Gesellschaften der Erde sind im Großen und Ganzen Klassengesellschaften. Die reichsten und mächtigsten Menschen üben innerhalb der Gesellschaften enormen Einfluss aus. Gemäß dem, was der junge Karl Marx erwähnt hat:
"Die Gedanken der herrschenden Klasse sind in jeder Epoche die herrschenden Gedanken, d.h. die Klasse, welche die herrschende materielle Macht der Gesellschaft ist, ist zugleich ihre herrschende geistige Macht. Die Klasse, die die Mittel zur materiellen Produktion zu ihrer Verfügung hat, disponiert damit zugleich über die Mittel zur geistigen Produktion, so daß ihr damit zugleich im Durchschnitt die Gedanken derer, denen die Mittel zur geistigen Produktion abgehen, unterworfen sind." 
[Marx/Engels: Die deutsche Ideologie, S. 60. Digitale Bibliothek Band 11: Marx/Engels, S. 1324 (vgl. MEW Bd. 3, S. 46)]
Normale Arbeitnehmer, und dazu zähle ich im Allgemeinen die lohnabhängig Beschäftigten, werden unter anderem durch Medien auf ein herrschaftskonformes Bewusstsein getrimmt. Das geht in vielen Fällen sogar so weit, dass der Arbeitnehmer für den Arbeitgeber auch mitdenkt. Es gilt die alte neoliberale Losung, "Jeder ist seines Glückes Schmied". Gesellschaftliche und sozioökonomische Aspekte werden total ausgeblendet. Im Grunde zählt nur das, was Gewinn und Profit einbringt. Die oberen Klassen, die über ein sehr ausgeprägtes Klassenbewusstsein verfügen, versuchen alles ihren Lohnabhängigen ein falsches Bewusstsein einzuimpfen. Falsches Bewusstsein heißt, das den Lohnabhängigen gesagt wird, dass wenn sie anders handeln, als die oberen Klassen ihnen empfehlen und einhämmern, es ihnen nur schadet. Geht brav und gehorsam zur Arbeit und es wird euch an Nichts mangeln. Ein Klassenbewusstsein der unteren Schichten kommt aufgrund von obrigkeitshörigen und gehorsamen Denkens erst gar nicht zustande. Dabei wird vor allem auch der Konkurrenzgedanke und eine Kultur des Neides verbreitet. Es gibt Untersuchungen von Wirtschaftswissenschaftlern, die festgestellt haben, dass ein Unternehmen, das Leiharbeiter beschäftigt, die Stammbelegschaft domestiziert und sie zu höherer "Produktivität" angetrieben hat. Ein Wissenschaftler nennt einen Betrieb, wo in einer Schicht nur Leiharbeiter und in einer anderen Schicht die Stammbelegschaft gearbeitet haben. Die Leiharbeiter, die gerne fest angestellt werden möchten, waren in ihrer Schicht "produktiver" und schneller. Die Stammbelegschaft, die um ihre Arbeitsplätze fürchten, zogen nach. Mit dem Resultat, dass das Spiel von vorne anfing und sich beide Schichten förmlich "ausbluteten". Die Arbeiter verschleißen ihre Arbeitskraft und ihre Nerven. Die reichen und herrschenden Schichten oder Klassen spielen die Arbeiter mit dem Leiharbeiter und diese wiederum mit den Arbeitslosen aus. Zudem wird in den Mittelschichten und den Unterschichten ein Klima des Hasses gegen Ausländer, Obdachlose, Kranke und andere Minderheiten erzeugt. Dass der Feind im "eigenen Lande" steht, nehmen die Mittel- und Unterschichten gar nicht zur Kenntnis. Deshalb meint Warren Buffett zu Recht, dass seine Klasse der Reichen gewinnt. In den meisten Ländern der Welt haben die Mittelschichten ein ausgeprägtes Nationalbewusstsein und international spielen sich diese Schichten untereinander aus. Allgemein kann man sagen, das insbesondere in der deutschen Gesellschaft eine Ellenbogenmentalität und Kumpanei von Männer- oder auch Frauenbünden zugenommen hat. Vor allem eine Kumpanei gegen Schwache und Andersdenkenden. In Deutschland verrohen die Menschen immer mehr und das soziale Klima ist kalt. Ein Kampf für soziale Gerechtigkeit ist in Deutschland schwer zu organisieren. Hoffnung macht allerdings der Kampf vieler Menschen in Südeuropa, wie zum Beispiel in Spanien oder Griechenland.

Freitag, 28. November 2014

Die "verbotenen" K-Wörter

Kapitalismus oder Kommunismus das ist hier die Frage?

Es gibt zwei K-Wörter in Deutschland die man nach Möglichkeit nicht erwähnen sollte. Das ist der Kapitalismus und der Kommunismus. Wenn man es wagt davon zu sprechen, dass es in Deutschland eine kapitalistische Wirtschaftsordnung gibt, so wird einem von vielen Seiten entgegnet, dass es in Deutschland keinen Kapitalismus gibt, sondern eine soziale Marktwirtschaft. Mutige Menschen reden auch manchmal vom rheinischen Kapitalismus, der eine deutsche Sonderform ist. Redet man vom Kommunismus so wird derjenige gleich in einen Topf geschmissen mit Mao, Stalin, Pol Pot und anderen Menschenschändern und Menschenschindern. Diese Diskussionen strotzen nur so von Polemik und immer wiederkehrenden Missverständnissen. Solche Diskussionen kratzen meistens an der Oberfläche und dienen meistens dazu, gewisse Fakten und Wahrheiten zu verschleiern. Fakt ist zumindest, dass der Kapitalismus unserer Tage eine weltumfassende Wirtschaftsordnung ist, die sich in fast jedem Winkel der Welt eingenistet hat. China, Nordkorea und auch Kuba sind Sonderformen einer "sozialistischen" Gesellschaft, auf die ich hier momentan nicht eingehen möchte.
In den kapitalistischen Staaten dieser Erde dient die Ökonomie dazu, nicht nur die Bedürfnisse der Menschen zu befriedigen, sondern eine hohe Wettbewerbsfähigkeit zu erlangen, um möglichst hohe Profite und Gewinne von Konzernen und anderen Formen der Privatwirtschaft zu erzielen. Dabei stehen die meisten privaten Unternehmungen und Konzerne in direkter oder indirekter Konkurrenz miteinander. Peer Steinbrück, der ehemalige Finanzminister der großen Koalition hat selbst betont, das Deutschland in der "Champions League" der Staaten dieser Welt mitspielen müsse, damit die Wirtschaft in Deutschland floriert. Die Konkurrenz zwischen den Staaten, den Konzernen und anderen kommerziellen Unternehmungen ist sozusagen das Schmiermittel, welches die kapitalistische Gesellschaft vorantreibt und zu immer wieder neuen Errungenschaften führt. Es wird ein ungeheurer Reichtum geschaffen und so paradox es klingt, mit dem ungeheuren Reichtum steigt auch die Armut in der Welt. Diese Wirtschaftsordnung scheint es nicht zu schaffen den Reichtum gerecht zu verteilen.  Witziger weise ist es auch so, das Karl Marx, der Kapitalismuskritiker und "Übervater des Kommunismus", zum Beispiel selbst in seinem umfangreichen Werk den Begriff Kapitalismus kaum oder gar nicht erwähnt. Soviel wie ich weiß verwendet er selbst den Begriff nur in der französischen Übersetzung des dritten Bandes des Kapitals und erwähnt dort das Wort Capitalisme. Karl Marx selbst spricht von Gesellschaften "in welchen kapitalistische Produktionsweise herrscht".  Bei Karl Marx angelangt, komme ich nun zum Unwort Kommunismus. Der junge Karl Marx schreibt selbst im Jahr 1844:
"Die erste positive Aufhebung des Privateigentums, der rohe Kommunismus, ist also nur eine Erscheinungsform von der Niedertracht des Privateigentums, das sich als das positive Gemeinwesen setzen will. Der Kommunismus a) nach politischer Natur demokratisch oder despotisch;"
[Marx: Ökonomisch-philosophische Manuskripte aus dem Jahre 1844, S. 135. Digitale Bibliothek Band 11: Marx/Engels, S. 704 (vgl. MEW Bd. 40, S. 536)]
Er erkennt bereits in jungen Jahren, dass der Kommunismus von Natur aus demokratisch oder despotisch sein kann. Die letzten kommunistischen Experimente des Ostblocks um den Warschauer Pakt während des kalten Krieges waren eindeutig despotischer Natur. Nun kommt natürlich die Frage auf, gab es überhaupt schon einen demokratischen Kommunismus? Diese Frage lässt sich sogleich schwer aber auch einfach beantworten. Natürlich gab es so etwas schon und es gibt ihn vielleicht auch heute noch. Hierbei handelt es sich vor allem um "primitive" Gesellschaftsformen, die keinen hohen technologischen Standard haben und wo die Lebenserwartungen eher gering sind. Es gibt Wissenschaftler die reden auch von "urkommunistischen" Gesellschaften. Es gab und gibt demokratische und gleichberechtigte Strukturen ohne Ausbeutung von Menschen, zum Beispiel bei einigen nordamerikanischen Indianerstämmen oder auch bei afrikanischen Pygmäen. Es gibt aber auch zum Beispiel die konservativen Amish oder auch die Hutterergemeinden, die in Gütergemeinschaft leben. Ich gebe zu, dass das natürlich eine relativ einfache Antwort ist und ob solche Gütergemeinschaften in modernen hoch technologischen Gesellschaften funktionieren, ist noch nicht beantwortet.
Jenseits von Kapitalismus und Kommunismus kann ein gemeinwirtschaftliches System eine Alternative sein.
Dieser Blog beschäftigt sich mit Wasser und Energie, um diese Naturgüter gerecht zu verteilen bedarf es eines ökonomischen Systems, dass das Wasser möglichst nicht verschmutzt und sparsam damit umgeht. Da muss man sich Gedanken machen, welche Güter für die Bedürfnisgemeinschaft hergestellt werden können und welche nicht. So eine Organisation bedarf einer strengen demokratischen Kontrolle.

Dienstag, 25. November 2014

FAZ - Feuilleton kritisiert den Finanzmarktkapitalismus

Frank Schirrmacher beginnt zu glauben, dass die Linke recht hat

In Zeiten von Finanzmarkt- und Eurokrise können konservative Werte schon mal ins Wanken geraten. Kein Geringerer als der konservative Publizist Frank Schirrmacher merkt das.  In seinem Artikel aus der FAZ vom 15.08.2011 führt er auch schon mal ein großes Geschütz auf, das da heißt Charles Moore. Charles Moore seines Zeichens Margaret Thatcher Biograph und langjähriger Journalist des konservativen Blattes The Daily Telegraph wird zitiert:
"Die Stärke der Analyse der Linken liegt darin, dass sie verstanden haben, wie die Mächtigen sich liberal-konservativer Sprache als Tarnumhang bedient haben, um sich Vorteile zu sichern."
wenig später zitiert Frank Schirrmacher Charles Moore mit folgenden Worten:
"Es zeigt sich - wie die Linke immer behauptet hat - , dass ein System, dass angetreten ist, das Vorankommen von vielen zu ermöglichen, sich zu einem System pervertiert hat, das die wenigen bereichert."
Schließlich listet Schirrmacher eine ganze Reihe von Unzulänglichkeiten konservativer Politik auf. Das geht von Angela Merkel über den Bundespräsidenten Christian Wulf bis hin zur FDP. Am besten selber lesen; Link zum FAZ - Artikel vom 15.08.2011.

Im übrigen ist es auch so, dass es einige Konservative gibt, die zum Beispiel Karl Marx als besten Kapitalismuskenner ausmachten. Betont wird meistens die analytische Kraft die von Marx Schriften ausgehen. So zitiert der englische Journalist Francis Wheen schon 1997 einen reichen Investmentbanker aus dem Magazin New Yorker:
"Je länger ich an der Wall Street bin, desto stärker wird meine Überzeugung, dass Marx recht hatte, ich bin absolut sicher, dass Marx die beste Sicht auf den Kapitalismus vermittelt."
In der Tat ist es auch so, dass jede Kritik am Kapitalismus stumpf bleibt, die sich nicht mit Marxschen Schriften auseinandersetzt. Die Gewerkschaften fordern in der Regel meistens höhere Löhne, dass manchmal auch dazu führt, das es sich um Neiddebatten handeln könnte. Wer die Umweltprobleme und die Krisenerscheinungen unseres Wirtschaftssystem in den Griff bekommen möchte, kommt um eine Diskussion alternativer Gesellschaftsentwürfe nicht vorbei. Da reicht es nicht aus um eine bessere Wettbewerbsfähigkeit zu erlangen oder immer mehr Wachstum zu fordern. Wobei es auch darauf ankommt, welche Wirtschaftszweige wachsen sollen. In den meisten Fällen handelt es sich um ein rein quantitatives Wachstum, dass zum Beispiel mehr Autos gebaut und abgesetzt werden sollen. Viele Politiker oder auch Wirtschaftswissenschaftler denken auch über ein qualitatives Wachstum nach. Das zum Beispiel die Sonnenenergie und andere regenerative Energiequellen erschlossen werden sollten. Die Energiefrage ist sehr eng verknüpft mit wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Veränderungen. Wobei es meiner Ansicht nach nicht ausreicht einen "grünen Kapitalismus" zu fordern. Dieses Wirtschaftssystem baut auf Gewinnmaximierung auf Teufel komm raus. Anstatt einer von Konkurrenz angetriebenen Wirtschaft, brauchen wir kleinteilige und solidarische Wirtschaftsformen. Denn sonst, so Frank Schirrmacher, geraten auch konservative Tugenden unter die Räder.